Schulden abbauen mit wenig Geld: Wo Du wirklich anfangen solltest

Ich war genau in dieser Falle. Ich kam selbst gerade so über die Runden und hatte praktisch keinen finanziellen Spielraum.

Gleichzeitig waren meine Eltern immer wieder in prekärer Geldnot. Wenn dort die Kacke am Dampfen war, habe ich ausgeholfen. Was hätte ich sonst tun sollen? Sie hungern lassen?

Damals bin ich ständig mit meiner American Express Karte zum Kölner Hauptbahnhof gefahren. Dort stand der einzige Geldautomat zu der Zeit, an dem ich mit einer Kreditkarte Bargeld abheben konnte. So habe ich ein Loch nach dem anderen gestopft, obwohl dieses Geld in meinem eigenen Budget überhaupt nicht vorhanden war.

Am Ende hatte ich rund 7.000 DM Kreditkartenschulden und American Express hatte mich damit ordentlich im Schwitzkasten.

Ich hatte überhaupt keinen finanziellen Spielraum, keinen Puffer und erst recht keine Strategie, um meine Schulden abzubauen.  Wenn wieder Geld fehlte, wurde dieses Loch mit Kredit gestopft. Dadurch entstanden immer neue Schulden. Es wurde immer mal was abbezahlt, aber etwas Unvorhergesehenes passierte und zack, war der Dispo wieder am Anschlag.

Schulden abbauen, obwohl nichts übrig bleibt

Das bringt mich zum Thema dieses Blogs: Wie sollst Du Schulden abbauen, wenn nach Miete, Strom, Lebensmitteln und den anderen Ausgaben nichts mehr übrig ist? Genau an diesem Punkt greifen viele klassische Spartipps zu kurz. Mehr sparen ohne die komplette Situation zu überblicken halte ich für schwierig oder sogar für kontraproduktiv. Klar, so lassen sich hier und da ein Paar Euro einsparen und vielleicht genügt das schon.

Wenn aber nach allen notwendigen Ausgaben aber wirklich nichts übrig bleibt, kannst Du keine zusätzliche Tilgungsrate aus dem Nichts hervorzaubern. Dann ist Dein akutes Problem nicht nur die Höhe Deiner Schulden.

Du hast ein Cashflowproblem. Deine Einnahmen reichen aktuell nicht aus, um Deine laufenden Kosten zu bezahlen und gleichzeitig zusätzlichen Spielraum für den Schuldenabbau zu schaffen.

Bevor Du also versuchst, mehr in Deine Schulden zu stecken, brauchst Du zuerst einen Überblick, etwas finanziellen Spielraum und Stabilität.

Verschaffe Dir zuerst einen ehrlichen Überblick

Der erste Schritt beim Schulden abbauen ist deshalb nicht unbedingt die erste Extratilgung. Schau Dir zunächst einen kompletten Monat an. Was kommt tatsächlich rein und wohin geht das Geld?

Dazu gehören nicht nur Miete, Strom und Versicherungen. Erfasse auch Lebensmittel, Tanken, Abos, Onlinebestellungen, Kaffee unterwegs und die vielen kleinen Beträge, die im Alltag so schnell untergehen. Du wirst erstaunt sein, was alles nebenbei läuft und man das komplett ausblendet.
Es geht dabei nicht darum, Dich für Deine Ausgaben zu verurteilen. Du musst erst einmal wissen, womit Du arbeitest.

Wenn Du Deine Ausgaben bisher nicht vollständig kennst, kannst Du dafür meinen kostenlosen Tracker für Deine Monatsausgaben nutzen. Wenn Du beim gesamten Überblick über Einnahmen, Ausgaben und Budget Unterstützung brauchst, findest Du in meinem 7 Tage Kurs zum Haushaltsbudget die Grundlagen dafür.

Welche Ausgaben musst Du wirklich bezahlen?

Im nächsten Schritt trennst Du die Kosten, an denen Du aktuell kaum vorbeikommst, von den Ausgaben, bei denen grundsätzlich etwas veränderbar wäre. Zu den notwendigen Ausgaben gehören zum Beispiel Wohnen, Energie, grundlegende Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen und natürlich die Mindestzahlungen auf Deine bestehenden Schulden.

Das bedeutet nicht, dass alles andere automatisch unnötiger Luxus ist. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Welche Kosten kann ich gerade nicht verändern und bei welchen hätte ich überhaupt eine Wahl?

Unter uns Gebetsschwestern…und ich halte Deine Hand dabei, wenn ich das sage: Wenn Du bis Oberkante-Unterlippe verschuldet bist, können Einschnitte in Deine Lebensqualität notwendig sein. Hast Du die Wahl zwischen Gerichtsvollzieher/Lohnpfändung/abgestellten Strom und der Kündigung von Netflix, Spotify und Disney TV…musst Du da wirklich lange überlegen?

Vielleicht stellst Du aber dabei auch fest, dass mehr in Deinen Ausgaben veränderbar ist, als Du dachtest. Vielleicht stellst Du aber auch fest, dass Dein Budget bereits sehr knapp kalkuliert ist. Beides bringt Dich weiter, denn danach weißt Du zumindest, mit welcher Ausgangslage Du tatsächlich arbeitest.

Suche nicht sofort nach 500 Euro

Wenn Du wenig Geld zur Verfügung hast, musst Du nicht sofort mehrere hundert Euro im Monat locker machen zum Schulden abbauen. Suche zuerst nach dem ersten kleinen Spielraum. Das können 20 Euro sein, 50 Euro oder vielleicht 100 Euro.

Schau zum Beispiel nach Abos, die Du kaum noch nutzt, nach Tarifen, die sich wechseln lassen, nach häufigen Lieferdiensten oder Onlinekäufen. Vielleicht gibt es auch Ausgaben, die früher zu Deinem Leben gepasst haben, heute aber kaum noch einen echten Nutzen für Dich haben.

Dieser erste kleine Betrag ist wichtiger, als er aussieht. Denn zum ersten Mal ist da Geld, das nicht bereits vollständig verplant ist.

Bau zuerst einen kleinen Puffer auf

Jetzt kommt ein Punkt, der erst einmal widersprüchlich wirken kann: Nicht jeder freie Euro sollte sofort in Deine Schulden fließen, auch wenn alles danach schreit, damit Deine Schulden abzubauen. Wenn Du überhaupt keine Rücklage hast, reicht eine kleine ungeplante Ausgabe und Du greifst wieder zur Kreditkarte oder zum Dispo. Genau so entstehen die nächsten Löcher. So war es jedenfalls bei mir. Und Banken sind gut darin, einem eine Umschuldung schmackhaft zu machen. Da wird der Dispo in einen bestehenden Kredit integriert und der Dispo getilgt. Und… was passiert dann? Das Drama beginnt von vorne los und Du hast nichts gewonnen. Die Bank aber schon.

Deshalb würde ich vor dem weiteren Schulden abbauen zunächst einen kleinen finanziellen Puffer aufbauen. Damit ist noch kein großer Notgroschen gemeint, der mehrere Monatsausgaben abdeckt. Es geht zunächst um genug Geld, damit Dich eine kleinere Reparatur, eine Nachzahlung oder eine andere ungeplante Ausgabe nicht sofort wieder in neue Schulden zwingt.

Genau dieser Puffer hat mir damals gefehlt. Es gab keinen Spielraum für den nächsten finanziellen Notfall. Also wurde wieder Kredit genutzt und aus einem Problem entstand das nächste. Schulden abbauen war mir absolut nicht möglich.

Erst jetzt entscheidest Du, wie Du Deine Schulden abbauen willst

Wenn Du Deine Zahlen kennst, etwas Spielraum geschaffen und einen kleinen Puffer aufgebaut hast, kannst Du Dich um die eigentliche Tilgungsstrategie kümmern.

Bei der Schneeballmethode konzentrierst Du Dich zuerst auf Deine kleinste Schuld. Bei der Lawinenmethode zahlst Du zuerst die Schuld mit den höchsten Zinsen ab. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Welche besser zu Dir passt, ist weniger entscheidend als die Frage, mit welcher Methode Du langfristig weitermachst.

Mehr über die Unterschiede zwischen Schneeball und Lawine findest Du in meinem Beitrag über die beiden Strategien zum Schuldenabbau.

Wenn trotzdem nichts übrig bleibt, reicht Sparen irgendwann nicht mehr

Vielleicht hast Du alles durchgerechnet, Deine Ausgaben geprüft und trotzdem bleibt praktisch kein Geld übrig. Dann bringt es nichts, Dir einzureden, Du müsstest nur noch härter sparen. Schulden abbauen ist dann nahezu unmöglich.

Wenn Dein Einkommen dauerhaft komplett für notwendige Ausgaben draufgeht, müssen irgendwann größere Stellschrauben betrachtet werden. Das können die Wohnkosten sein, Mobilität, größere Verträge oder die Einnahmenseite. Vielleicht ist langfristig ein höheres Einkommen möglich, ein Jobwechsel oder ein zeitweiser Nebenverdienst.

Natürlich kann nicht jeder mal eben umziehen, den Job wechseln oder mehr verdienen. Aber wenn Einnahmen und notwendige Ausgaben dauerhaft nicht zusammenpassen, lässt sich dieses mathematische Problem nicht mit immer neuen Spartipps lösen. 

Mach den Schuldenabbau so automatisch wie möglich

Wenn Dein Plan steht, sollte er möglichst wenig davon abhängen, wie motiviert Du gerade bist. Mindestzahlungen kannst Du automatisch abbuchen lassen. Auch einen zusätzlichen Tilgungsbetrag kannst Du direkt nach Geldeingang überweisen. Das Gleiche gilt für Deinen kleinen Puffer.

Je weniger Du jeden Monat neu entscheiden musst, desto leichter wird es, Deinen Plan über längere Zeit durchzuhalten. Je weniger Stolperfallen, desdo eher kannst Du Deine Schulden abbauen.

Fazit: Schulden abbauen beginnt manchmal vor der ersten Extratilgung

Wenn Du Schulden abbauen möchtest und kaum Geld übrig bleibt, beginnt Dein Weg vielleicht nicht mit einer höheren Rate. Er beginnt damit, Deine Ausgaben besser zu kennen.

Dann suchst Du nach dem ersten kleinen Spielraum, baust einen Puffer auf und sorgst dafür, dass nicht jede ungeplante Ausgabe sofort wieder neue Schulden verursacht. Erst danach entscheidest Du, welche Schulden Du zuerst tilgst und welche Methode zu Dir passt.

Du kannst kein Geld für den Schuldenabbau aus einem Budget herauspressen, in dem rechnerisch nichts vorhanden ist. Erst wenn wieder etwas Spielraum entsteht, kann Dein Schuldenplan dauerhaft funktionieren.

Dein kostenloser Schulden Tracker

Wenn Du Deine Schulden abbauen möchtest, hilft es, nicht nur die offene Summe zu sehen, sondern auch Deinen Fortschritt. Mit meinem kostenlosen Schulden Tracker kannst Du festhalten, welche Schulden noch offen sind, wie hoch Deine Restschuld ist und wie viel Du bereits abbezahlt hast.

So siehst Du nicht nur, was noch vor Dir liegt, sondern auch, was Du schon geschafft hast. Das hilft enorm dabei, motiviert zu bleiben, Deine Schulden abzubauen.