Geld ausgeben wieder lernen: 5 ehrliche Wege gegen schlechtes Gewissen
Warum Sparen manchmal leichter ist als genießen
Ich hatte diesen Moment neulich selbst.
Wir waren ein paar Tage bei den Schwiegereltern. Am ersten Wochenende stand eine Taufe an, am letzten Wochenende eine Hochzeit. Dazwischen war ein bisschen freie Zeit. Und wir waren im Flagshipstore von Faber-Castell.
Ich liebe Schreibgeräte, Papier und Planer. Ich war vorher schon ganz heiß auf diesen Laden und hatte mir natürlich schon gespart und etwas ausgesucht. Vor Ort kam dann noch ein bisschen mehr dazu. Mein Mann wollte auch noch etwas. Für Schwiegervater und Schwiegermutter haben wir ebenfalls eine Kleinigkeit als Geschenk mitgenommen.
An der Kasse sagte die Verkäuferin den Betrag: rund 100 Euro.
Und für eine Sekunde habe ich dicke Backen gemacht. 100 Euro sind für mich keine Kleinigkeit. Auch nicht für Stifte, Papier und schöne Dinge, die ich wirklich liebe.
Dann kam aber direkt der zweite Gedanke: Genau dafür hatte ich das Geld doch zurückgelegt, oder?
Es kam aus meinem Budget für Krimskrams und der Kategorie Ausflug. Beides Kategorien, die ich nicht im Detail tracke, aber bewusst plane. Ich halte grob im Blick, ob das Geld reicht und schreibe die einzelnen Ausgaben nicht auf.
Und genau das war der Punkt: Dieses Geld war nicht zufällig da. Es war nicht „übrig“. Es hatte einen Zweck. Und trotzdem war dieser kurze Stich da.
Dieses schlechte Gewissen beim Geld ausgeben, obwohl man genau dafür gespart hat.
1. Warum Sparen sich manchmal sicherer anfühlt als Geld ausgeben
Sparen fühlt sich gut an.
Natürlich nicht immer, aber irgendwann. Du siehst, wie der Umschlag immer voller und voller wird. Du siehst, Du kannst dranbleiben. Du hast etwas unter Kontrolle. Gerade, wenn Geld im Alltag oft knapp und mit Stress verbunden ist. Das fühlt sich gut an und dient Dir als Beweis: Ich habe mein Geld im Griff.
Und dann kommt die Situation, für den Du eigentlich gespart hast.
Du nimmst das Geld raus.
Der Umschlag wird dünner.
Die Summe schrumpft.
Und obwohl alles genau nach Plan läuft, fühlt es sich plötzlich falsch an.
Das ist der fiese Teil daran.
Dein Kopf bewertet nicht nur die Ausgabe. Er sieht erst mal: Da verschwindet Geld.
So wie ich da bei Faber-Castell. an der Kasse stand und kurz dicke Backen machte bis mir einfiel:
Das ist kein Verlust. Es ist die Umsetzung meines Plans. Dafür habe ich es doch gespart.
Wenn Du 50 Euro für Eis, Kaffee oder einen Ausflug ausgibst, obwohl genau dafür Geld im Umschlag liegt, machst Du nichts falsch. Du nutzt das Geld so, wie Du es vorher entschieden hast.
Das schlechte Gewissen bedeutet also nicht automatisch, dass die Ausgabe falsch ist. Manchmal bedeutet es nur, dass Sparen für Dich vertrauter geworden ist als genießen.
Und genau deshalb muss man Geld ausgeben manchmal wieder lernen.
2. Nicht jeder Umschlag hat dieselbe Aufgabe
Natürlich ist nicht jeder Umschlag zum Ausgeben angelegt.
Wenn Du Deinen Notgroschen in einem Bargeldumschlag ansparst oder einen Umschlag für Reparaturen, Nebenkostennachzahlungen oder andere unerwartete Kosten hast, dann sollte dieses Geld natürlich nicht verschwinden. Du legst es für einen bestimmten Zweck zurück.
Aber bei Umschlägen wie Freizeit, Selfcare, Wellness, Urlaub, Sommerspaß oder Ausflüge ist es anders. Dieses Geld liegt nicht dort, damit Du es möglichst lange bewachst. Es liegt dort, damit Du es nutzen kannst, wenn der passende Moment kommt.
Hier ist genau der Knackpunkt: Du behandelst einen Genuss-Umschlag wie einen Notgroschen.
Dabei ist die entscheidende Frage nicht nur: Habe ich genug gespart?
Sondern: Wofür war dieses Geld gedacht?
3. Mach einen kurzen Sicherheitscheck, bevor Du ein schlechtes Gewissen hast
Nicht jedes schlechte Gefühl beim Geld ausgeben ist automatisch Unsinn.
Manchmal meldet sich Dein Kopf, weil wirklich etwas nicht so ist, wie es sein soll. Unser Unterbewußtsein will uns ja schützen. Vielleicht ist der Monat knapper, als gedacht. Vielleicht steht etwas Größeres an, bei dem der Umfang unklar ist.
Deshalb geht es nicht darum, jedes schlechte Gewissen wegzuwischen. Mach einen kurzen Check:
- Sind Miete, Strom und alle anderen Fixkosten gedeckt?
- Ist für Lebensmittel genug eingeplant?
- Bleibt der Notgroschen unangetastet?
- Wurde genau für diese Ausgabe Geld zurückgelegt?
- Passt die Ausgabe zu dem Umschlag, aus dem sie kommt?
Wenn Du diese Fragen mit Ja beantworten kannst, dann ist die Ausgabe nicht leichtsinnig. Dann ist alles prima.
Und genau das ist der Unterschied.
Du gibst nicht wahllos Geld aus. Du nutzt Geld, das Du vorher bewusst für diesen Moment beiseitegelegt hast.
4. Fang mit kleinen Ausgaben an
Geld ausgeben wieder lernen heißt nicht, dass Du direkt den großen Wellnessurlaub auf den Bahamas buchen musst. Fang kleiner an, mit Ausgaben, für die Du Geld angespart hast und die in die Richtung „Genuß“ oder „Luxus“ gehören:
Ein Eis.
Ein Kaffee unterwegs.
Eine Kleinigkeit, Dir Dir Freude macht, die Du Dir bis jetzt immer verklemmt hast.
Ein Ausflug, für den das Geld schon im Umschlag liegt.
Ein Eintritt für ein Museum oder ein Konzert. Etwas, worauf Du Lust hast, aber keinen physischen Gegenwert/Gegenstand dafür bekommst. Da struggle ich persönlich am allermeisten.
Gerade kleine Ausgaben sind gut zum Üben, weil sie überschaubar bleiben. Du merkst: Ich gebe Geld aus, aber es bricht nichts zusammen. Der Umschlag wird leerer, aber der Plan funktioniert trotzdem und Du hast noch immer alles unter Kontrolle.
Das klingt banal. Ist es aber nicht.
Wenn Du lange sehr streng mit Geld warst, kann Genuss sich erst mal falsch und fremd anfühlen. Dann hilft es, nicht direkt groß zu „klotzen“, sondern bewusst kleine Momente zu erlauben und sich heran zu tasten und zu „kleckern“
Nicht heimlich. Nicht nebenbei. Sondern mit Ansage:
Das war geplant.
Das Geld dafür ist geplant und gespart.
Das darf jetzt sein.
Ja, ich weiß. Für diejenigen unter uns, die Ihre Ausgaben nur schwer kontrollieren konnten oder können und die es jetzt besser im Griff haben, ist das eine Herausforderung. Ganz klar. Daher würde ich dringend dazu raten, nur das Geld aus der jeweiligen Kategorie auszugeben. Kein Leihen aus einer anderen Kategorie. Keine Ausreden.
5. Gib Dir selbst die Erlaubnis, nicht neue Regeln
Manchmal brauchst Du nicht noch eine neue Regel.
Du hast gerechnet.
Du hast geplant.
Du hast das Geld zurückgelegt.
Was jetzt fehlt, ist nicht mehr Kontrolle, sondern die Erlaubnis, das Geld auch wirklich zu nutzen. Und das ohne, die Sicherheit zu verlieren, dass Du Deinen Finanzen im Griff hast.
Genau dafür ist das Freebie zu diesem Beitrag gedacht: die Genießer-Karten.
Ein kleines Augenzwinkern, wenn man so will.
Eben nur kleine Karten, die Du in Deinen Umschlag, Deinen Binder oder Dein Portemonnaie legen kannst. Als miniErinnerung daran, das Geld ausgeben nicht immer böse ist.
Das klingt simpel. Aber manchmal reicht das auch schon, um Dich daran zu erinnern: Du machst nichts falsch. Du nutzt Dein Geld genau so, wie Du es vorher geplant hast.
Fazit: Geld ausgeben heißt nicht Kontrollverlust
Geld ausgeben bedeutet nicht automatisch, dass Du die Kontrolle über Deine Finanzen verlierst.
Gerade wenn Geld knapp war oder immer noch knapp ist, fühlt sich Geld ausgeben oft gefährlich an. So, als würdest Du eine Grenze überschreiten. Als würdest Du wieder unvernünftig werden. Als wäre der volle Umschlag der Beweis, dass Du Deine Finanzen und auch Dich selber im Griff hast.
Aber verantwortungsvoll mit Geld umgehen heißt nicht, wie ein Drache den Goldschatz bewachen.
Es heißt, den unkontrollierten Kaufrausch zu verhindern, wenn Du es Dir gerade nicht leisten kannst. Und das Geld dann bewusst auszugeben, wenn es eingeplant ist und kein Risiko mehr entsteht.
Geld ausgeben darf, aber muss keine Belohnung sein, die Du Dir erst verdienen musst.
So wie Erholung nicht erst erlaubt ist, wenn Du vorher produktiv genug warst, darf auch Genuss nicht davon abhängen, ob Du Dich vorher genug angestrengt hast.
Wenn das Geld dafür im Umschlag liegt, die wichtigen Dinge gedeckt sind und Du es bewusst eingeplant hast, dann ist Ausgeben kein Rückschritt.
Dann ist es genau der Plan und das mit gutem Gewissen